Demografischer Wandel: Möhrmann befürchtet Reduzierung der Ausbildungsberufe im Heidekreis

„Wie will das Land die Berufsvielfalt in der Ausbildung an Berufsschulen im ländlichen Raum bei zurückgehenden Lehrlingszahlen sichern?“ Diese Frage stellt sich nach der Umstellung der Rechtsstellung der Berufsschulen in Niedersachsen in Richtung regionaler Kompetenzzentren, um „Bildungsangebote in der Region zu gewährleisten, und um auf die regionalen Qualifizierungsbedarfe angemessen und flexibel reagieren zu können“, wie es in der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage im Februar heißt.

Nun will der Schneverdinger Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des Landtages, Dieter Möhrmann, von der Landesregierung wissen, wie dieser Anspruch mit unveränderten finanziellen Budgets der Berufsschulen umzusetzen ist.

Hintergrund seiner Landtagsinitiative sind Hinweise der Schulleiterinnen der beiden Heidekreis-Berufsschulen in Soltau und Walsrode. Das Problem für die Schulen ist, dass sie Klassen für Ausbildungsberufe nur mit mindestens 14 Schülern, finanziell durch das Land abgesichert, bilden dürfen.

In Walsrode und Soltau werden bereits einige Berufe eng an der Budgetgrenze von 14 Schülern oder – teilweise sehr deutlich – darunter geführt. Dies belastet das Lehrkräftebudget. Bislang konnte häufig ein Ausgleich erzielt werden durch Zusammenlegung verwandter Bildungsgänge zu gemeinsamen Klassen. Dies gestaltet sich durch zurückgehende Schülerzahlen zunehmend schwierig. Man rechnet mittelfristig mit 20% weniger Auszubildenden. Dabei sollte nicht die Bedeutung eines regionalen Berufsschulangebotes als wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaftsentwicklung im Heidekreis aus den Augen verloren werden. Es geht um die Chancen junger Menschen und um Nachwuchs in den Firmen. Es ergibt sich die Frage, ob eine Gleichbehandlung von Berufsschulen in ländlichen Flächenregionen und in Großstädten so weiter aufrecht zu erhalten ist. Die IHK Lüneburg-Wolfsburg sieht Probleme in der kommenden Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt.

Konkret werden derzeit in Soltau in der Teilzeitberufsschule Auszubildende in 34 Berufen beschult, davon in 23 Berufen 51 Jahrgangsstufen mit 15 oder weniger Schülerinnen und Schülern. In Walsrode sind es 31 Berufe, bei denen in 16 Berufen 41 Jahrgangsstufen mit 15 oder weniger Schülerinnen und Schülern geführt werden. Möhrmann möchte deshalb von der Landesregierung wissen: „Welche konzeptionellen Überlegungen hat die Landesregierung, um das Berufsschulangebot wie oben beschrieben in ländlichen Flächenregionen trotz zurückgehender Schülerzahlen aufrecht zu erhalten oder handelt es sich um eine singuläre Entwicklung im Heidekreis und wie will man ihr dort begegnen?“
Die Landesregierung muss die Anfrage in der nächsten Woche beantworten.